Tag 7

21.08.06 Bohusleden: Stenshult – Köperödsjön

Ich habe den Schlaf sehr dringend gebraucht. Der Tag gestern war anstrengend. Zu allem Überfluss hatte ich heute Morgen um 5 Uhr einen Wecker! Die Alarmanlage des Vereinshauses schrillte wie verrückt! Ich hatte zunächst gar nicht realisieren können, was das war und woher es kam. Und nach kurzem Nachdenken stellte sich mir die Frage: Warum ist das Ding losgegangen? Da blieben ja nicht viel Möglichkeiten. Erstens, es handelte sich um einen Fehlalarm. Zweitens, es war kein Fehlalarm und jemand ist dort eingestiegen! Oh nö, das fehlte mir grad noch. Ich saß also senkrecht in meinem Schlafsack da und horchte und wartete, ob gleich ein eventueller Einbrecher hier vorbeigejoggt käme. Keine tolle Vorstellung. Es kam aber keiner. Der Alarm ging weiter. Und was wäre, wenn der Alarm womöglich noch die Polizei hier auf den Plan rief? Die kämen dann womöglich noch auf die Idee, ich wäre der Übeltäter, wenn sie keinen anderen fänden. Auch nicht besser. Und falls nun gar nichts von diesen Dingen passieren würde, wäre da immer noch der blöde Alarm, welcher mich vom weiterschlafen abhalten würde. Ich stieg dann schließlich doch mal aus dem Schlafsack und schaute um die Ecke. Konnte aber nichts entdecken oder hören (außer den Alarm). Wieder zurück in den Schlafsack. Abwarten. Was sollte ich denn auch anderes machen?
Nach einiger Zeit verstummte der Alarm und es war wieder ruhig. Keiner kam. Es blieb ruhig. Na dann: gute Nacht und wieder umgedreht und geschlafen.
Die Hütte war gut und hat auch den nächtlichen Regengüssen standgehalten. Na also, es geht doch.

Vindskydd Stenshult

Aufstehen gegen 8 Uhr und Ganzkörperdusche unter dem 1,20m hohen Wasserhahn. Gut, dass es hier keine Frühjogger gab, denn die Badehose wollte ich nicht anziehen. Die hätte dann ja wieder trocknen müssen und ich war glücklich über alles was trocken war.
Heute wollte ich auf alle Fälle früher losgehen, auch wenn die Schuhe nicht so ganz getrocknet waren. Zu um 12 Uhr hab ichs dann geschafft. Auch nicht wirklich früh.

Angrenzender Sportplatz

Den Weg hab ich auch hier geändert. Bin bis zur eingezeichneten Bushaltestelle über die Straße gegangen damit durch die Körperwärme die neue Wachsschicht durchtrocknen kann. Als dann der Bohusleden die Straße kreuzte, bin ich dann wieder normal gewandert. Vorbei an dem Hof mit der Sammlung von ausrangierten Autos und Maschinen. Kurze Verwirrung wegen Weggabelung ohne eindeutige Kennzeichnung. Geradeaus mit dem Feld zur linken war richtig. Der Weg war wieder Bohustypisch bewachsen. Streckenweise bin ich hier mit Regenhose gegangen, da alles noch nass war.

Lange Straße

Nach einem sehr matschigen Stück kam irgendwann ein kleiner Bach mit einer Brücke, die in der Mitte durchgebrochen war. Super. Ich tastete mich ganz langsam vor und meine Vermutung mit „sehr rutschig“ bestätigte sich dann auch. Zunächst stand ich und bewegte mich nicht mal. Trotzdem glitt ich ganz langsam, dann schneller nach vorne um dann wie ein Käfer auf dem Rücken, bzw. dem Rucksack zu landen. Die Füße landeten erstmal im Bach. Glück gehabt, nichts weiter passiert. Selbst die Schuhe waren nur von außen nass – waren ja eh wasserdicht.


Ab hier kann man die Karte in der Broschüre auch nur noch als groben Richtungsweiser benutzen, denn die Strecke hat sich verändert. Es gab hier keine westliche Route mehr! War mir eh egal, da ich die östliche gehen wollte.

Irgendwann ging der Weg unter der neu gebauten Autobahn durch, welche auch nicht verzeichnet war. Hier befand ich mich dann auch schon mitten auf einer „wilden“ Motocross-strecke! Ich folgte der Strecke und kam dann an einem Steinbruch auf der rechten Seite sowie der Uddevalla Go-Cart-Strecke auf der linken Seiten vorbei. Hier war dann auch wieder Teerstraße, die gut von LKWs befahren war. Dann ging es weiter an der richtigen Crossbahn vorbei bis zum Etappenpunkt Glimmingen, welcher an der Bahnstrecke liegt. Auf der Tafel waren immer noch die alten Karten abgebildet. Zwei Meter weiter stand dann ein neues, auf Schwedisch geschriebenes Schild, welches offensichtlich über eine weitere Streckenänderung informierte. Hier war auch auf einer Karte die Änderung aufgemalt. Es ging als an der Straße links ab und dann rechts auf einen Feldweg. Kein schlechter Weg.

Die Freude hielt nicht lange an. Hier war wieder der Typ vom Birkenwäldchen am Werk gewesen! Am Wegesrand stand plötzlich ein Bohusledenschild. Und wo zeigte es hin? Natürlich nicht den guten Feldweg entlang. Nein, es zeigte ins Gebüsch. Das musste ein Scherz sein. Da war nicht mal irgendein Trampelpfad zu sehen! Aber der Bohusleden macht bei so was keine Scherze, sondern meint das wirklich ernst, und so ging ich dann durchs Gebüsch und stand dann bald nur noch zwischen 1,80m hohen Pflanzen. Vor mir waren da höchstens mal drei Personen gegangen!
Hier wird der Bohusleden auch immer mehr zum Jum’n’run Spiel. Ganz unvermittelt sind da 30cm tiefe Löcher auf dem Pfad. Wenn das Gras nicht ein wenig heruntergetreten wäre, hätte ich sie kaum gesehen. Und während ich mich fragte, ob das hier wirklich der Weg wäre, stand ich dann urplötzlich vor einer für den Pfad viel zu großen, schiefen Holzbrücke. Total unpassend. Ich hätte hier höchstens einen kleinen Steg erwartet! Vorne und hinten keine richtiger Weg, aber eine dicke Holzbrücke, schon klar. Fazit: Ein sehr naturnaher Weg durchs Reservat. Nach einer zweiten, schaukelnden Brücke ging es wieder auf einen breiteren Weg.

Der Bohusleden wurde an dieser Stelle dann auch schon wieder geändert. Der Vindskydd liegt nicht mehr direkt am Weg, sondern es zweigt ein extra Weg dorthin ab.

Windschutz

Dies war aber auch gesondert ausgeschildert. Trotzdem gäbe es aber die Möglichkeit, den alten Weg zu nehmen, damit muss man nicht die sumpfige Abkürzung nehmen! Wenn man an die Abzweigung kommt, an der das Schild Vindskydd sowie ein kleines Bohusschild nach rechts weisen, geht man geradeaus weiter. An dieser Abzweigung fand sich links auch ein großer Stein mit den alten Markierungen (Bohusleden in alle Richtungen)! Die orange-roten Markierungen an den Bäumen wurden hier mit grau übermalt! Man folgt dem Weg durch jüngeres Waldgebiet und kommt an dichteren Nadelwald. Hier genau schauen. Es geht rechts ein Pfad ab, die führt zum Windschutz. An der Abzweigung befindet sich, leicht versteckt, eine kleine Steinruine.

Der auf der Karte eingezeichnete Mülleimer, sowie das Klo waren nicht vorhanden. Machte beim Klo aber auch nichts, denn die Plumsklos fand ich in den seltensten Fällen benutzbar, dafür aber immer wieder lustig. Klo bei Rödvatten: Hier stand ein Durchfallmittel auf dem Board und wartete. Wer also noch keinen hat, bitte hinsetzen!
Das Klo bei Djupevatten: Lange Sitzungen wurden hier vor einiger Zeit erfolgreich durch ein Wespennest unterbunden. Dies war auch die einzige sanitäre Ausstattung.
Klo bei Stenshult: Sowas hatte ich noch nie gesehen! Rekordverdächtig! Hier ragte ein ansehnlicher Turm aus Sch…. so hoch hinaus, dass er fast bündig mit dem oberen Rand der Brille abschloss! Voller geht’s nun echt nicht mehr. Da konnte man „keinen mehr draufsetzen“, ohne dabei von der Brille abzuheben. Und, wer es dennoch probieren möchte, daneben stand zumindest eine Flasche mit Händedesinfektionsmittel. Im Nachhinein, so dachte ich, hätte ich auch davon wohl ein Foto machen sollen.

Aber zurück zur Hütte. Das war nicht die neueste, aber vollkommen OK. Lediglich der Eingang glich einer Tropfsteinhöhle. Die alte Bepflanzung auf dem Dach war vom Regen völlig gesättigt und es tropfte munter nach vorne hinunter. Netterweise gab es eine kleine Bank davor. Der See gefiel mir sehr gut. Aber auch hier merkt man die Nähe zur Zivilisation. Arbeiten im Industriegebiet kann man zeitweise hören, aber noch lauter ist der Schießstand, fünf Ecken weiter. Aber auszuhalten, da zeitlich sehr begrenzt. Von der Hütte aus konnte man zwei Sendemasten mit nächtlichen Blinklichtern sehen.

Sonnenuntergang

Überaschenderweise blieb ich heute nicht alleine. Gegen 20 Uhr bekam ich weibliche Gesellschaft von einer Studentin, die schon seit Strömstad alleine unterwegs war. Ausrüstungstechnisch ein wenig schlechter ausgerüstet, aber doch sehr ausdauernd unterwegs. Hut ab! Da auch sie aus Deutschland kam, konnte man sich problemlos unterhalten. Sehr angenehm mal wieder jemand zum Reden zu haben.

 

 

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