Tag 6

20.08.06 Bohusleden: Store Väktor – Stenshult

Das Wetter wurde besser, die Laune auch. So langsam kam die Sonne raus. Schnell die Sachen nach draußen, damit sie besser trocknen. Die Schuhe habe ich dann auch noch neu gewachst damit sie wieder Regendicht werden. Der nette Schwede war wieder aktiv und wir unterhielten uns. Irgendwann bot er mir einen Kaffee und Kuchen an. Darauf folgte eine lange Unterhaltung. Er erzählte mir eine ganze Menge. Holte eine genauere Karte der Umgebung und ein paar Bücher. Ich hörte die Geschichte von diesem Hof und wie alt er war, was seine Vorfahren gemacht haben, was alles zu seinem Land gehört (u.a. auch der Schuppen auf dem Weg zur „Bushaltestelle“), wie die allgemeine Geschichte dieses Gebietes war, dass es dort drüben am Bach auch Biber gäbe, dass es hier auch Luchse gäbe die dort hinten auf der Weide mal ein Reh gerissen haben, dass es ihm erlaubt sei pro Jahr einen Elch zu schießen (was er allerdings nicht macht), usw., usw. .

Rytter-Rinnan - anno 1650

Ein sehr interessantes Gespräch. Irgendwann kam er noch mit der Idee heraus, vielleicht etwas für die Wanderer hier anzubieten. Vielleicht kann man in der Zukunft hier eine warme Mahlzeit bekommen, etwas einkaufen oder sogar übernachten – als Alternative zur „Bushaltestelle“. Er wollte von mir wissen, was so meine Bedürfnisse als Wanderer sind und was ich z.B. kaufen würde. Ich fand das eine gute Idee und teilt ihm meine Gedanken mit. Als Dank für meine Hilfe gab er mir etwas Obst und ein Bier! Alles Dinge, die ich als Wanderer eher nicht mit mir herumtrage aber kaufen würde. Das fand ich richtig gut. Zwischendurch konnten wir, während wir so dasaßen und redeten, zwei Wandergruppen durchwandern sehen.

Rytter-Rinnan - anno 1650

Es wurde langsam Zeit zu gehen, denn es war schon spät. 14 Uhr.
Ich verabschiedete mich und ging wieder Richtung „Bushaltestelle“.
Das Wetter sah noch gut aus, aber das sollte nicht so bleiben. Schon 30 Minuten nach meinem Start zogen dunkle Wolke auf und bald darauf kam der erste Regenschauer.

 

Rytter-Rinnan - anno 1650

Nicht schon wieder. Es begann wieder das Wechselspiel: am Himmel mit Regen und Trocken – bei mir Jacke an, Jacke aus. Zumindest war der Weg noch OK und nicht so verwachsen. Das sollte sich dann aber auch noch ändern. Der Bohusleden zeigte sich wieder von der gewohnten Seite. Das Heidekraut wucherte in den Pfad hinein, an manchen Stellen wuchs zusätzlich Farn und als Highlight versperrte der ein oder andere Zweig den Weg. Das erinnerte mich doch leicht an gestern. Ich schlängelte mich so durch und versucht möglichst wenig Pflanzen zu berühren, damit ich nicht nass wurde. Die Regenhose wollte ich nur im Notfall wieder anziehen. Die Sauna von gestern war mir noch gut in Erinnerung geblieben. Die Aktion glich dann auch eher einem Spießrutenlauf, denn es ist fast unmöglich den Pflanzen so auszuweichen, dass man nichts berührt. Memo für mich selbst: Das nächste mal nimmst du auf alle Fälle Gamaschen mit!

Bei L Fjället, südlich des Buvattnet-See kam ich aus dem Wald auf eine gerodete Fläche. Der Weg war matschig und das Wasser floss natürlich auf dem Weg und nicht daneben. Ich war jetzt schon sehr genervt von diesem ewigen Wasser überall. Ich konnte die Straße sehen und wechselte auf dieselbe, da der Bohusleden nur im Matsch an Weiden weiterging. Das war wesentlich angenehmer und auch nicht länger. Der Regen nahm wieder zu.

Bei Björkebacken stand eine alte Holzbushaltestelle in der ich dann erstmal Schutz suchte. Wie gut. Starkregen. Meine Motivation schwand doch zunehmend. Es war mittlerweile 17 Uhr. Durch den Regen wollte ich unter keinen Umständen gehen. Keinen Bedarf mehr an Wasser gehabt. Wo ist das nächste Taxi, welches mich zu einem trockenen Ort bringt? Also setzte ich mich erstmal hin, futterte meine selbstgebauten Müsliriegel und hörte erstmal Musik, in der Hoffnung, der Regen würde bald weniger werden. Meine Stimmung wurde allmählich wieder besser und gegen 17:45 Uhr hörte auch der Regen auf. Also auf und zum Endspurt ansetzen.

Bushaltestelle Vassbovik

Weiter ging es auf Schotterstraßen und Teerstraßen nach Vassbovik. Und hier plagten mich dann die Gedanken an den gestrigen Tag mit dem Birkenwäldchen wieder. Oh Gott, auf der Karte ist vor Stenshult wieder eine gepunktete Linie! Was mag das heißen? In meinem Kopf baute sich folgendes Bild auf: auf der ganzen gepunkteten Strecke könnte sich ein gemeines Birkenwäldchen befinden und triefend vor Regen darauf warten, dass ein armer Wanderer vorbeikäme, um diesen sogleich mit Sturzbächen zu überschütten sobald er nur hineinginge…und dann am Ende in Stenshult befindet sich dann eine ähnliche „Bushaltestelle“ wie am Store Väktor! Welch Alptraum! Memo an mich selbst: Für die nächste Tour atmungsaktive Regenkleidung für zig Euro kaufen! Getrieben von der Horrorvorstellung mit den Birken beschloss ich, den Umweg über die normalen Straßen zu gehen. Koste es, was es wolle.
Der Weg war anstrengend. Weniger körperlich, dafür mehr psychisch. Straßen zu gehen ist auch wirklich totlangweilig. Ich ging also erstmal weiter Richtung Raane. Immer schön der weißen gestrichelten Linie entlang. Es mögen so 2,5 bis 3 km gewesen sein. An mir vorbei immer mal wieder Autos. Endlich in Raane angekommen sah ich dann das Schild: Stenshult 5km.
Zumindest war es soweit trocken geblieben. Aber dieser Weg war eine echte Durststrecke. Ich dachte immer mal wieder drüber nach, wie der Weg auf dem Bohusleden gewesen wäre. Ich vermutete, dass es kein Birkenwäldchen gab und die Strecke nicht mal halb so schlimm, wie befürchtet war. Auf der Strecke war ja auch noch eine Joggingstrecke eingezeichnet. Hmmm.
Nach langem Wandern erblickte ich dann ein paar Flutlichtmasten am Horizont! Das musste der vorgelagerte Sportplatz sein! Mein Ziel!
Ich bog bald nach rechts auf den Sportplatz ein, vorbei an dem großen Vereinshaus und stand dann überglücklich vor einer vernünftigen Windschutzhütte! Es war herrlich. Ein brauchbarer trockener Schlafplatz. Ich konnte es noch gar nicht fassen. Selbst fließendes Wasser aus der Leitung gab es hier! Mittlerweile war es 20 Uhr. Essen und zur Belohnung das geschenkte Bier von gestern.

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