Tag 5

19.08.06 Bohusleden: Djupevatten – Store Väktor

Tja, die Hütte hat heute Morgen einen dicken Minuspunkt bekommen! Warum? Es fing an zu regnen und so langsam machten sich Stellen bemerkbar, an denen es durchtropft! Für alle die sich fragen sollten, wo es trockener ist: Die linke Bank ist stärker betroffen. Rechts ging es. Frühstücken, aufräumen, einpacken, um 10:45 Uhr los. Ich habe mich von vornherein gegen den Regen eingekleidet, da es nach Dauerregen aussah. Der Weg geht vom Pfad über in einen breiten Feldweg. Hier wieder eine interessante Entdeckung. Von weitem sehe ich einen rosa-rötlich-weißen Haufen. Was ist das denn? Ich konnte selbst nur bei ganz genauem Hinsehen erkennen, um was es sich handelt. Wohl auch deshalb, weil ich alles erwartet habe, nur nicht das. Es war ein Haufen aus Krabben! Da zweifelt man doch langsam an seinem eigenen Verstand. Wer macht denn so was? Wenn es nicht geregnet hätte, dann gäbe es hier jetzt ein Bild davon zu sehen. Aber ich wollte meine Kamera noch länger benutzen.
Das Wasser im Stora Gunnarsvattnet war ein wenig besser. Minimal besser als der Djupevattnet.
Der Bohusleden führte vom breiten Weg wieder auf Waldpfade weiter. Irgendwann konnte man mitten im Wald, links vom Weg eine Schutzhütte mit eingebauter Feuerstelle sehen. War mit blauer Plane gebaut, deshalb fiel sie mir ins Auge. Ist aber keine offizielle Windschutzhütte.
Unterwegs nach Hasteröd begegnete mir noch eine Pilzsammlerin. Die wirkte leicht eingeschüchtert, könnte an meine Tarn-Regenkleidung gelegen haben.
In Hasteröd gings dann von der Durchgangsstraße links ab auf einem Feldweg mit stetiger Steigung. Und es regnete wieder mehr. Wegen der leider nicht atmungsaktiven Regenkleidung schwitze ich schon sehr gut. Und bald ging es wieder rechts ab in den Wald auf schmalen Pfaden. Dann wieder bergab auf rutschigen Felsen. Unten angekommen überquerte ich die nächste Straße. Der Regen hörte kurz auf. Ich machte Rast und lüftete meine Kleidung. Sauna ist ja nichts dagegen. So langsam hörte der Spaß auf. Blödes Wetter. Und ich rätselte, was besser wäre: Ohne Regenkleidung – dafür vom Regenwasser nass werden? Oder Regenkleidung anlassen und vom Schweiß nass werden? Ich entschied mich für letzteres. Meine Hose war sowieso schon durchgeschwitzt ohne Ende.
Der Weg war ab diesem Streckenabschnitt auch nicht so das Wahre. Der Bohusleden ging unwegsam neben der Straße entlang, entfernte sich zu zwei Tümpeln, die mich derzeit nicht die Bohne interessierten, da ich kein Wasser mehr sehen wollte, und verlief weiter neben der Straße unter der Stromhochleitung entlang. Superspannend! Endlich wurde es besser und folgte einem Wirtschaftsweg vorbei an Höfen. Weniger bis gar kein Regen mehr.
Dann wieder auf Pfaden in den Wald. Dann passierte ich noch einen weiteren breiten Weg, musste ihn aber überqueren und auf schmalen Pfaden weiter. Es fing wieder mehr an zu regnen. Und weil das noch nicht gereicht hat, kam jetzt der mir am meisten verhasste Teil der ganzen Strecke: Ein Pfad führte durch einen jungen, dicht bewachsenen Birkenwald! Die Zweige reichten alle über den Pfad und trieften geradezu vor Wasser! Welcher Sadist hatte sich diesen Weg ausgedacht??? Ich dachte nur: „Nein, nicht noch da durch! Wenn du damit fertig bist, kannst du dir die Dusche sparen!“
Es nützte ja nichts. Augen zu und durch. Je schneller, desto besser. Es war genauso schrecklich wie befürchtet. Das Wasser rann in Sturzbächen an meiner Regenkleidung herunter. Zweige klatschten durch mein Gesicht, zerrten an meinem Rucksack. Gut, dass mir niemand entgegenkam. Der hätte sich evtl. gut erschreckt, wenn ich in meinen Tarnklamotten, wie irre auf ihn zugestürzt wäre und ihn womöglich umgerissen hätte. Denn sehen konnte ich wegen der Zweige nicht weit und ich hatte es halt eilig. Das Sadisten-Birkenwäldchen war dann bald auch geschafft und ich stand dann triefend auf einem besseren Weg.
Ich folgte dem Bohusleden bis zur linken unteren Ecke am Store Väktor. Dort stand ich dann an dem neuen Bohus-Schild und verschnaufte. Hier grenzte ein Grundstück mit einem Wohnhaus und ein paar Schuppen an den Weg. Während ich pausierte, kam jemand in Regenkleidung und Motorsense vom Wohnhaus und rief mir zu. „Svenska, English oder Deutsch?“. Aha, ein Schwede mit dem Hang zum Sensen bei strömenden Regen. Wir unterhielten uns wohl fünf bis zehn Minuten über das Wetter, den Bohusleden, sonstiges und dann verabschiedete ich mich. Ein netter Mensch, dachte ich.
Ich ging weiter, und es konnte nicht mehr weit bis zur Schutzhütte sein. Ich passierte einen weiteren Schuppen und kam dann nach ca. 14 Minuten an dem „Vindskydd“ an. Aber was ich da sah, war nicht wirklich toll. Dieses Ding konnte doch unmöglich ernst gemeint sein? Das verdiente einfach nicht den Namen Windschutzhütte! Nennt es irgendwie anders, z.B. Hundehütte oder kleiner Unterstand. Sehr passend fand ich den Begriff: Bushaltestelle. Denn mehr war es im Grunde auch nicht. Es war eine kleine Hütte mit einer Trennwand in der Mitte. Auf der einen Seite war Platz für genau zwei Personen zum liegen. Für mehr nicht. Auf der anderen Seite der Trennwand war eine Bank. Eben wie in einer Bushaltestelle. Naja, dachte ich, vielleicht bist du auch einfach nur verwöhnt. Du musst es trotzdem probieren. Isomatte ausgebreitet. Schuhe aus. Sandalen an. Betreten in den Regen schauen und sich fragen: „Was nun?“. Die Frage wurde dann auch prompt durch ein tröpfeln durch die Decke beantwortet. Die Aufgabe hieß also: Pass auf, dass du nicht noch nasser wirst! Fünf Minuten später tropfte es an anderer Stelle. Also die Sachen so verteilen, dass es passt. Und damit mir nicht zu langweilig wird, fing es auch noch an zwei anderen Stellen an durchzutröpfeln, so dass es keinen Platz mehr gab die Isomatte auszulegen, ohne nass zu werden! So ein Mist, das kann doch nicht wahr sein! Was nun? Ich hatte keine Lust darauf zu warten, bis es überall von der Decke regnete. Meine Hoffnung: der Schwede mit der Motorsense! Also wieder eingepackt und zurück zum Hof. Immer dem Motorengeräusch nach. Ich fand ihn dann auch und er schaut zunächst verwundert. Ich erzählte ihm von meinem Problem mit der „Bushaltestelle“ und fragte, ob es möglich wäre, in seinem Schuppen zu übernachten. Er war sehr hilfsbereit und gab mir dann zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Auf dem Dachboden des Holzschuppens oder im Heu, welches dort schon seit mehreren Jahren, wenn nicht Jahrzehnten lagerte.
Ich entschied mich für den sehr staubigen Holzschuppen. Er half mir dabei, die alten Sachen beiseite zu räumen, damit ich Platz hatte.
Ich fegte dann noch mit einem alten Reisigbesen den Staub beiseite. Es sah aus, als wenn hier schon seit Jahren keiner mehr das Gerümpel bewegt hätte. Aber ich war überglücklich. Endlich ein trockener Platz! Das Holz war derart knochentrocken, dass es jegliche Feuchtigkeit aufsog, mit der es in Berührung kam. Gute Bedingungen, um meine Sachen wieder zu trocknen. Es war so einiges nass. Auch im Rucksack. Das Birkenwäldchen hatte das Wasser überallhin verteilt. Auch mein Schlafsack hatte eine kleine nasse Stelle bekommen. Ich hatte den Fehler gemacht, die Regenhülle des Rucksacks nicht weit genug am Bodenfach entlang zu führen. Aber nur ein kleiner Wasserschaden und ich um eine Erfahrung reicher. Schnell noch jeden Balken als Wäscheleine umfunktioniert. Sogar ein alter Tisch stand hier oben. Wie praktisch. Der nette Schwede hatte mir außerdem sein Lampenradio dagelassen. Die Lampe war mir nicht so wichtig, aber das Radio fand ich dann doch ganz gut. Jetzt noch kurz was essen und dann früh schlafen. Was für ein Tag!

Sorry, wegen soviel Regen leider keine Bilder von diesem Tag.

Nach oben

Nächster Tag >>

 

zurück

vor