Tag 3

17.08.06 Bohusleden: Bottenstugan – Windschutz bei Rödvatten

Die Nacht war wesentlich ruhiger als zuvor und ich konnte richtig gut schlafen.
Leider sind auch Kinder Frühaufsteher. Man kann halt nicht alles haben.

Erstmal Morgenwäsche (kaltes Wasser macht wach) und Trinkwasserbeschaffung an dem 30 Meter entfernten „Wasserloch“. Und, was musste ich hier entdecken?
Auf dem gestern noch einwandfreien Wasser schwammen nun Sägespäne!
Na toll, ich konnte mir ja schon denken wer das gewesen sein könnte. Aber ich hatte ja meinen Wasserfilter.

See am Haltesjön

Das Frühstück war auch interessant. Weniger meines, sondern dass der Schweden.
Es war mir gar nicht bewußt, dass man hier im Land tausende Fressalien in der Tube kaufen kann. Jedes Kind hatte mindestens drei verschiedene Tuben mit anderem Inhalt! Na, ob sowas schmeckt?

So, Sachen packen und weg.

Der Weg des Bohusleden führte von Bottenstugan durch Wald mit kleinen Steigungen und endete dann wieder auf der Straße. Weiter ging es auf Feld und Schotterwegen am Haltesjön vorbei.

Der Weg bog dann bald in den Wald ab. Dann folgten eine Wiese und danach die kaputte Brücke, von der ich in einem anderen Bericht schon gelesen hatte.
Aber kein Problem, ein paar Meter weiter rechts ist ja schon eine gute, provisorische zu finden.

Jetzt fand ich auch sehr regelmäßig Spuren im weichen Waldboden, welche auch meine Richtung gingen. Die sahen immer so frisch aus. So alt konnten die nicht sein!
Ich hatte immer das Gefühl, ich würde bald jemanden weiter vorne sehen können. Bei dem Gefühl blieb es dann allerdings auch und niemand kam in Sicht.

Das schöne am alleine Wandern ist das Tempo, welches man selbst bestimmen kann.
Man muss auf keinen warten und die Pausen kann man so setzten, wie man möchte.
Ich hatte mir, wie auch schon die letzten Tage, angewöhnt, alle Viertelstunde einmal den Rucksack abzusetzen, und etwas zu trinken um einen ausgeglichenen Wasserhaushalt zu erreichen. Hat sich bewährt. Zusätzliches Träning für die Armmuskeln inklusive durch Rucksack auf, Rucksack ab...

Rastplatz im Reservat


Der Bohusleden führte dann weiter ins Naturreservat Svartedalen. Einer, wie ich fand, der schönsten Streckenabschnitte.
Hier galt dann aber auch die Formel: Je schöner, desto mehr auf und ab.

Aber bevor es anstrengend wurde, konnte man sich gleich am Anfang des Harsvatten rechts des Weges an der Raststelle von der Schönheit dieses Sees überzeugen.

Es handelte sich hier nicht um den in der Karte eingezeichneten Rastplatz mit Parkplatz und Klo sondern um einen von Wanderern eingerichteten Platz mit Feuerstelle und einem lustigem selbstbau-Klo.

 

See im Reservat

 

Hier wäre auch ein guter Platz zum Übernachten. Fehlt nur die Windschutzhütte.
Allerdings nicht für mich, denn ich will ja noch ein paar Kilometer schaffen. Da kann man ja nicht an jedem schönen Platz gleich ein Biwak aufbauen.

Der in der Karte eingezeichnete Rastplatz scheint aber trotzdem zu existieren, denn ich konnte am anderen Ufer ein paar Schweden mit Auto und Kanu sehen.

 

Wege rauf und runter

 

 

Der folgende Weg war gut anstrengend. Man kraxelte zum Teil nur steil hinauf, um dann gleich wieder steil hinunterzuklettern und dann wieder hinauf…hinunter…
Ja, die haben hier wirklich jeden Hügel mitgenommen.


 

Aber man hatte punktuell als Entschädigung einen schönen Ausblick von oben:

Der See
Von ganz oben

 

 




 

 

 

 

Die Blaubeeren wuchsen hier zum Teil so günstig, dass ich mich nicht mal bücken musste.
Ich konnte einfach während des Wanderns pflücken und essen.

Das viele Auf und Ab beruhigte sich dann später wieder ein wenig.
Aber so langsam ging mir die Motivation aus. Ein Nachteil, wenn man alleine wandert ist, dass man sich nur selber motivieren kann und niemand anders.
Diesen Punkt hatte ich schon einkalkuliert, denn dafür hatte ich mir ja meinen kleinen MP3-Player mitgenommen. Alle Naturfreaks mögen mich böse anschauen, aber das ist und war mir total egal. Die Wirkung ist doch beeindruckend gewesen. Die Musik motivierte nicht nur sehr gut, sondern erhöhte auch noch zusätzlich mein eigenes Lauftempo. Und so kam es, dass ich im Rhythmus von „Iron Maiden – 22 Acacia Avenue“ und anderen Titeln den Wald durchpflügte und das zum Teil laut singend. Wenn mir jemand begegnet wäre, dann hätte dieser jemand wohl sehr ungläubig geschaut!


Irgendwann kam noch eine mehrstufige Treppe, die leider kaputt war. Aber man kommt runter. Hoch geht wohl auch, habe ich aber nicht probiert.
Der Pfad ging noch mal über Bohlen und dann irgendwann in einen breiten Schotterweg über.
Von hier war es nicht mehr weit zum nächsten Vindskydd (Windschutzhütte).

Vindskydd

 

Die Unterkunft sagte mir zwar zunächst vom Gefühl her nicht so zu, aber eigentlich war sie ok.
Die Hütte liegt an einem befahrbaren Weg und hat als Sonderausstattung noch ein Plumsklo sowie zwei Mülleimer zu bieten.
Eine Feuerstelle und Sitzgelegenheiten sind selbstverständlich.
Als besondere Zugabe befinden sich im inneren jeweils links und rechts zwei dreieckige Borde, auf denen man seinen Reisewecker stellen kann.
Und wem das alles zu luxuriös ist und zu wenig Abenteuer bietet, der geht einfach 20 Meter weiter zur alten Windschutzhütte. Die bietet ein echtes Cabrio-Feeling mit bröckelnder Decke oder dickes Feuerholz.

Der See war von sehr guter Qualität. Sehr sauberes Wasser. Hier habe ich dann auch den ersten und einzigen Elch auf meiner Bohusledentour sehen können. Ich saß am See und hörte nur ein lautes „Platsch“. Als ich in die Richtung des Geräusches sah, konnte ich eine schwimmende Elchkuh sehen. Leider keinen Fotoapparat in der Hand gehabt. Naja, für ein richtig gutes Bild hätte ich auch ein größeres Objektiv benötigt.
An diesem See hab ich es dem Elch dann auch gleichgetan und bin erstmal ne Runde schwimmen gewesen und habe meine Klamotten mal gewaschen, zumal die Sonne schien.
So ganz ungestört war ich dann auch hier nicht. Oberhalb des durch den Schotterweg getrennten Sees schwammen zwei Kindern mit ihrem Vater. Die gingen dann aber auch zu Abend hin.
Mein heutiges Abendessen bestand aus dem restlichen Pemmikan von gestern, gemischt mit Reis. Wobei ich feststellen muss, dass die Mischung mit dem Reis eindeutig noch besser schmeckt.

Der See am Vindskydd


Während ich so mein Essen löffelte, kam noch ein schwedisches Pärchen vorbei und nahm Kurs auf den Felsen am Wasser, auf dem ich saß. Sie sahen mich und sagten nur: „Wir wollen hier nur kurz durch“. Wie, kurz durch? Wohin? Ok, und wieder die Erkenntnis, dass Schweden nicht so auf richtige Wege bedacht sind. Die beiden liefen durchs Unterholz um dann nicht unweit von mir schwimmen zu gehen. Als sie wieder gingen, quetschte ich sie noch über das kommende Wetter aus. Sollte so bleiben. Das war doch gut. Immer mal bewölkt, aber keinen großen Regen.

Als ich es mir dann vor der Windschutzhütte gemütlich machte, kam auf einmal eine Frau aus der Richtung, die ich auch gewandert war. Wo kam die denn her? Auch vom Bohusleden-Pfad? Aber in was für einer Geschwindigkeit. Das war mehr Jogging als alles andere! Sie fragte, ob dies der richtige Weg sei. Ich sagte ja, wenn sie den Bohusleden meinte. Dann joggte sie weiter.
Kurz darauf eine Gruppe von vier weiteren Leuten. Etwas langsamer, aber immer noch fast Jogging. Ich dachte schon: Die wollen bestimmt hier in die Hütte. Aber nein, die liefen auch vorbei. Der eine hatte sogar ein Kind in einer Kiepe auf dem Rücken! Schien so eine Art Orientierungslauf oder so was zu sein. Aber auf dem Bohusleden??? Die spinnen, die Römer…äh, ich meine die Schweden.

Endlich alleine. Es war hier total still und man konnte im See die Fische springen sehen. Später zogen leichte Nebelschwaden übern Wasser auf. Idyllisch.
Einen Steinwurf entfernt befand sich übrigens noch eine alte, verfallene Windschutzhütte. Für ein Lagerfeuer konnte man hier auch passendes trockenes Holz finden, welches ich später dann auch entzündete.
Hinterlassen wurden hier u.a. auch zwei Kerzen und ein stumpfes Beil. Beides zu gebrauchen. Toll finde ich es ja besonders, wenn jemand sein Mittagessen mit Tortellini sehr nahe der Hütte wegschüttet. Lecker, unterm Schuh.

Gegen 21 Uhr kam dann noch mal ein Auto mit einer Schwedin, die ihren Hund spazieren führte. Sie fragte mich vorher extra, ob ich etwas gegen Hunde hätte, und ob es ok sei. Interessant.

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