Tag 2

16.08.06 Bohusleden: Grandalen – Bottenstugan

Ein weiterer Nachteil einer großen Gruppe ist, dass es schnell unruhig wird, wenn die ersten wach sind. Ganz normal. Aufstehen gegen 8 Uhr.
Ich war noch nie ein guter Frühaufsteher. Ein guter Schläfer bei Krach allerdings auch nicht.

Erstes Frühstück in der freien Natur! Nur ich, der Wald, der Windschutz, mein Brot und die vielen anderen hier.
Jetzt musste ich erstmal meinen Gaskocher zusammenbauen, den ich ja für den Flug komplett demontiert hatte. Wirklich interessant wieviel Einzelteile so ein Brenner haben kann.
Kommentar von jemanden aus der Gruppe war so etwas wie: „…ein Selbstbausatz für einen Kocher?“ - Ja genau, und wenn meine Gaskartusche nicht passen sollte, dann hätte ich auch gleich eine weitere Belustigung am Morgen...
Und als ich dann mit dem Gebastel fertig war, kam der spannende Moment der Kartusche. Und die passte sogar. Glück gehabt!
Danach gabs dann erstmal einen Becher Vollmilch (aus Pulver angerührt) und eine Scheibe Schwarzbrot mit Nutella.

Heute Morgen kam auch zum ersten Mal mein toller Wasserfilter von MSR zum Einsatz. Endlich hatte der mal was zu tun. Das Wasser aus dem nahe gelegenen kleinen See hat er anstandslos in klares, gut schmeckendes Wasser verwandelt. Cool. Der Zeitaufwand war auch gut.

Typischer Bohusleden Waldweg


Um 11 Uhr machte ich mich dann auf den Weg und verabschiedete mich von der Gruppe.
Nur um dann vier Minuten später zurückzukehren, um meine Teva-Sandalen zu holen, die ich zurückgelassen hatte.
Guten Morgen!
Zum Glück noch rechtzeitig gemerkt!

Das Wetter hatte sich gebessert und die Wolkendecke riss nach anfänglichem Schauern vom Morgen auf.

Eine wichtige Erkenntnis vom Bohusleden war für mich die unterschiedliche Auffassung über Wanderwege in Deutschland und in Schweden.
Für mich waren Wanderwege halt immer auch richtige Wege, die ausgetreten und mindestens einen halben Meter breit sind. Hier sah das irgendwie anders aus.
Zum Teil eher vergleichbar mit Trampelpfaden von Rehen und anderen Waldbewohnern. Aber mit Markierungen. Das hat doch was von Abenteuer!

Alternative Unterkunft


Später kam ich dann an eine interessante Steinhütte mit einer Feuerstelle.
Nicht groß.Für Maximal zwei Personen zum Schlafen, aber scheinbar gut regenfest, denn innnen war es knochentrocken.
Wer also mal Abwechslung von den Holzhütten möchte, hier wäre wohl die Möglichkeit dafür.
Auf der Karte könnte es von der Lage auch die nächste eingezeichnete Windschutzhütte nach Grandalen sein.



Aussicht vom Windschutz

 

Nicht unweit davon entdeckte ich dann links an dem nächsten See eine neuere Windschutzhütte mit wunderbarem Ausblick auf den See. Die hätte ich der vor Grandalen vorgezogen. Viel bessere Aussicht, nicht nur Wald. Manchmal wäre es wirklich gut zu wissen, welche Hütte in welchem Zustand ist, und wie es dort aussieht.

Weiter am nächsten See Övre Langevatten vorbei. Dann ging es durch eine kleine Schlucht weiter. Hier befand sich auch der auf der Karte eingezeichnete Rastplatz. Ein Tisch mit zwei Bänken. So wirklich Rast machen braucht man hier aber nicht, denn hier ist alles kaputt. Zusätzlich noch feucht und kalt. Bei 30 Grad im Schatten könnte das eine gute Abkühlung bieten.

Der Trampelpfad ging über in einen richtigen, befahrbaren Feldweg. Hier am Wendeplatz hatte wohl schon jemand anders Rast gemacht, denn es befand sich eine Feuerstelle hier.

Ab der nächsten Kurve konnte ich ein paar hundert Meter vor mir sechs Pferde mit Reitern entdecken. Das war am Nedre Langevatten. Ich dachte, ich könnte sie vielleicht noch einholen, aber die waren mindestens genauso schnell wie meine maximale Geschwindigkeit im Wandern.
Die eingezeichnete Windschutzhütte an diesem See ist im Übrigen auch nicht auffindbar. Entweder zu gut versteckt, oder nicht mehr existent. Aber das hatten mir die Norderstedter schon mitgeteilt.

Gute Aussichten vom Rastplatz


Der nächste eingezeichnete Rastplatz war auch noch da und bot einen super Ausblick.

Auf dem Weg konnte ich immer mal wieder Blaubeeren essen, die hier zuhauf wachsen.

Kurze Zeit später konnte ich mich darüber freuen Richtung Norden zu gehen denn der in der Broschüre genannte steile Abstieg war kein Witz. Hier führte eine steile Treppe einige Stockwerke nach unten. Zum Glück auch mit Maschendraht umwickelt, denn hier abzurutschen wäre alles andere als lustig.

Aussicht von der Windschutzhütte

 

Bald konnte ich von weitem die Windschutzhütte sehen. Aber was war das? Da waren auf der Wiese davor 12 Zelte aufgebaut!
Ich ahnte schlimmes.

Die Schutzhütte war frei. Das Haus daneben belegt. Und überall Kinder! Wie ich dann in Gesprächen mit ein paar Erwachsenen herausfand, handelte es sich um eine Ferienfreizeit aus Kungälv.
Die wollten für drei Tage bleiben und haben das Haus dort gemietet. Das also zum Thema Ruhe und Entspannung und vor allem „Einsamkeit“. Das ich nicht lache. Zumindest waren sie ganz nett. Ich bekam einen Kaffee und auf Nachfrage, wo ich hier Wasser finden könnte, haben sie mir von ihrem mitgebrachten Trinkwasser abgegeben.
Die Kinder waren dann zum Teil auch mal am See angeln und dadurch war es dann schon mal ruhiger.

Zum Abendbrot gab es dann Kartoffelbrei mit Pemmikan. Das wolle ich jetzt unbedingt ausprobieren. Sündhaft teuer und unheimlich kalorienreich. Das kann nur gut sein. Damit besteigen ja gewisse Extremsportler auch den Himalaja.
Mir erklärte sich dann auch, warum in keiner Beschreibung zu finden war, wie es genau schmeckt. Man kann es nicht genau beschreiben. Das ist das Problem.
Ich hab keinen Vergleich zu etwas gefunden.
Wer sich allerdings die Geschmacksrichtung „Neutral“ ausgedacht hat, weiß ich auch nicht. Also „Neutral“ schmeckt doch Wasser oder vielleicht gerade noch Mozzarella-Käse.
Aber Pemmikan schmeckt nach irgendwas, aber nicht „Neutral“. Immerhin, es schmeckte mir. Die halbe Packung (100g) ins Kartoffelbrei gerührt und danach Pappsatt gewesen.

Sehr lustig wurde es dann, als es ans Feuermachen ging. Ich hatte mir ein paar Holzscheite genommen, die direkt vor der Anhöhe der Hütte lagen. Die waren auch schon älter und trocken. Mein Feuer brannte innerhalb kürzester Zeit richtig gut.

Kleines Lagerfeuer


Die Betreuer der Feriengruppe wollten es mir gleichtun mit dem Feuer und holten sich erstmal das frisch gespaltene Holz aus dem Holzlager um die Ecke. Aha, jetzt wirds interessant.
Diese doch sehr großen Brocken versuchten sie dann ein wenig Papier zum brennen zu bringen.
Ich hätt mich totlachen können.
Das funktionierte natürlich kein Stück. Das Papier brannte, das Holz schwelte, rauchte ohne Ende und ging dann aus.
Drumherum saßen geduldig etwa zehn Kinder und schauten den Erwachsenen zu, wie man auf keinen Fall ein Feuer zum brennen bekommt.
Diese Prozedur wiederholte sich dann immer wieder und nach einer Stunde wollte ich denen fast meine Hilfe oder mein Feuer anbieten. Aber die Schweden waren tapfer und es sah immer mal wieder fast gut aus.
Von den zehn Kindern ging dann auch eins nach dem anderen. Die Betreuer hielten durch. Sie wollten sich wohl auch nicht die Blöße geben. Es brannte dann nach ca. 2 Stunden so mehr schlecht als recht und qualmte mehr als alles andere. Ein paar Kids setzten sich dann an mein Feuer und bald war mein Feuerplatz belagert. War auch nicht so schlimm. Es wurden dann Würstchen und Marshmallows ins Feuer gehalten. Mir wurde zum Dank auch beides angeboten. Alles in allem eine gemütliche Runde.

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