Tag 1

15.08.06 Bohusleden: Kungälv - Grandalen

Nach einer angenehmen kurze Busfahrt kam ich dann gegen 14 Uhr in Kungälv an.
Etwas unsicher, ob es auch die richtige Haltestelle war, aber die Bohusfestung hatte ich ja schon passiert. Musste also stimmen.

Bushaltestelle Kungälv

Tja, nun musste ich ja nur noch den Weg finden.
In der Broschüre stand ja was von der Kirche. Die konnte ich auch ohne Probleme finden.
Aber keine Markierungen. Hmmm. Ok, weitersuchen.
Ich hab dann angefangen jeden Schweden, den ich traf, danach zu fragen. Zuerst eine Oma mit nem kleinen Hund erschreckt. "Bohusleden? I don't know..." Einen Busfahrer gefragt - kein Ergebnis. Im Geschäft nachgefragt bei einer netten Frau - ja, so ungefähr könnte das dort hinten sein; ich solle mal dahin laufen.Alle sehr hilfsbereit, aber keiner konnte definitiv den Weg erklären. Der Bohusleden muss ein absoluter Geheimtipp sein...

Bin dann in die ungefähre Richtung bergauf gegangen und hab dann Leute in den Vorgärten genervt. Oh ja, der Weg zum Bohusleden ist ein wohlgehütetes Geheimnis.
Irgendwann kam dann auch ein Schild und die Markierung vom Bohusleden.

 

Seerosensee

 

Man kommt so halb an einem Friedhof vorbei und dann geht’s weiter zu den Joggingpfaden. Der erste kleine „See“ dort war eher ein großer Teich mit viel zu viel Seerosen. Na gut, wer Seerosen mag und dort drinnen auch nicht schwimmen möchte, findets bestimmt unglaublich schön.

Es wurde auch ein weniger belebter hier. Die Schweden sind scheinbar Jogging-Fans.

Nach kurzer Verwirrung durch die Markierungen des Trimmpfades war ich dann aber doch auf dem richtigen Weg (der nicht direkt um den Teich entlangführt).

Aussicht Vindskydd Kungälv
 

Kurze Zeit später kam ich dann am Windschutz von Kungälv vorbei. Aha, so sahen also die Hütten aus. Diese war sehr breit geschnitten und bot gut Platz. Diverse Klopapierrollen und eine leere Gaskartusche habe hier auch ihr zu Hause gefunden.
Die nachfolgenden Unterkünfte sollten wesentlich kleiner sein. Der Blick von hier ging in eine kleine Senke. Nichts Aufregendes, aber ok.

 

Von dort aus weiter den Bohusleden entlang. Die Markierungen waren gut zu finden. Ein leichter Weg. Abzweigungen, die auf der Karte eingezeichnet waren, konnte ich nicht entdecken. Vielleicht gab es sie auch schon nicht mehr?

Nicht lange gewandert, kam dann der erste gute Regenschauer.
Das ist ja gar nicht nett. Immerhin lagen ja noch mindestens 17km vor mir!
Daraufhin die Überlegung: komplett Regenmontur anziehen, oder nur leichte Jacke? Ich entschied mich für die leichte Jacke, die ja teilweise auch regenabweisend war. Der Regen dauerte nicht lange und hörte nach 15 Min wieder auf. Es blieb aber bewölkt.

Weg über Stege


Der Weg ist recht leicht zu schaffen. Große Steigungen sind nicht zu meistern und man kann schnell wandern.
Teilweise wurde es enger und ich bekam hier schon manchmal zu sehen, was die Schweden unter einem Wanderweg verstehen. Hier allerdings noch in der harmlosen Variante.

Der gut ausgebaute Weg wurde zunächst mal nur enger und dann zu einem schmaleren Pfad. Irgendwann traf ich auf die ersten Bohlen, die über ein kleines Feuchtgebiet mitten im Wald führten.

Auch hier war Vorsicht geboten, denn das grüne Holz war rutschig. Mittlerweile merkte ich dann schon die ca. 22 Kilo in meinem Rucksack. Es tröpfelte immer mal wieder, aber zum Glück kein richtiger Regen.

Reste eines Wanderers

Kurz vor der Überquerung einer weiteren Straße machte ich eine skurrile Entdeckung.
Vor der Straße lagen viele Sachen, die vermutlich einem anderen Wanderer gehört haben.
Auf einen Haufen geworfen und dem Anschein nach schon mehrere Tage alt, da durchnässt und schmutzig.
Was ich nicht verstanden habe:
Warum lag das ganze Zeugs hier? Zu finden waren da der Schlafsack, das Zelt, ein Handtuch, ein T-Shirt, Plastikboxen usw. . Nur ein Rucksack fehlte. Wurde hier ein Wanderer überfallen oder von einem Auto angefahren? Oder war es nur ein total frustrierter, der keine Lust mehr auf diesen blöden Wanderweg hatte und dann vor Wut seine Sachen hingeworfen, und dann per Anhalter weitergefahren ist? Sehr merkwürdig.
Sollte das etwa ein Zeichen sein: Kehr um und geh woanders hin?
Nein, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, das mache ich auch zu Ende. Weiter jetzt.

Feldweg

 

Nach zehn weiteren Minuten wanderns traf ich dann auf die erste Gruppe Gleichgesinnter auf dem Bohusleden, die mir entgegen kamen.
Juhuu, doch nicht ganz alleine hier!
Erstmal anquatschen - auf Englisch.
Meine Fremdspache hätte ich mir dann auch sparen können: Natürlich Deutsche. Wie die meisten hier, ließ ich mir sagen.
Kurz geredet, dann weitergewandert. Sie empfohlen mir den Badesee zu nutzen, der bald kommen würde, das hätten sie auch gemacht.

Vorbei an vereinzelten Häusern durch wechselnde Landstriche ging es mal auf Pfaden, mal Feldwegen, kurz Schotterstraße in Richtung See.

Badesee mit Steg

 

Irgendwann traf ich dann auch auf diesen. Der Pfad ging teils entlang des Ufers zur Badestelle hin.
Ein paar Jugendliche zogen sich gerade um und waren im Begriff zu gehen.
Die Badestelle ist wirklich schön. Sandstrand, Umkleiden und ein langer Steg.
Hier habe ich erstmal Pause gemacht und die Füße ins Wasser gehalten. Schwimmen wollte ich noch nicht. Die Sonne schien und ich freute mich über den See. Ja, das hat was von Urlaub.

 

Badesee


Nach ca. 30 Minuten machte ich mich dann wieder auf den Weg nach Grandalen.
Der Weg führte über zunächst über die Straße weiter.
Nach kurzer Zeit kommt man auch an einem urigen Rastplatz vorbei. Kunst lauert auch wirklich überall.
Weiter gings dann durch ein Tor an dem einen schwedisches Schild hing. Vermutlich sagte es aus: Tür bitte schließen, hier laufen Schafe!
Hier war dem Künstler die Realität abhanden gekommen. Die abstrakten schwarzen Knäule auf dem Schild sollten offensichtlich Schafe darstellen. Die Schafe interessierte meine Anwesenheit nicht im Geringsten. Hab auch brav das Gatter wieder verschlossen.

Es wurde bewölkter. Es kamen leichte Schauer. Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Naja, was hab ich mir auch unter 20km Länge vorgestellt?
Ein Stück Straße gehen um dann wieder in den Wald geschickt zu werden war die Antwort, um meine Vorstellungen zu vervollständigen.

Der langsam einsetzende Regen motivierte mich dann noch schneller zu gehen. Die Windschutzhütte könnte jetzt endlich mal auftauchen. Tat sie aber nicht. Durch das auf den Pfad überhängende Heidekraut wurde meine Hose an den Beinen auch noch sehr nass. Unangenehm.
Zeitweise mal ein wenig steiler und zusätzlich nette rutschige Steine auf dem Weg bremsten mein Tempo dann wieder ein wenig.

Ich kürzte dann den letzen Kilometer auf dem Schotterweg ab und machte nicht mehr den Schlenker, damit ich noch vor dem großen Regen ins trockene kam. Laut Karte sollte das funktionieren, aber wer weiß?
Von weitem hörte ich irgendwann Stimmen.
Der Windschutz konnte also nicht mehr weit sein.
Links abgebogen und da war er dann auch schon! Super gelegen mit direktem Ausblick in die Bäume, aber das war erstmal Nebensache.

Die Hütte hatte einen viel größeren Haken: Voll besetzt mit einer deutschen Gruppe aus Norderstedt.
Da paßte nicht mal mehr eine halbe Person rein! Och nö!
Zum Glück hatte die Gruppe noch eine Plane als Vordach und Zelte dabei. So konnte ich glücklicherweise noch mit im Windschutz schlafen.
Ein Glück. Und kurz nachdem ich angekommen war, regnete es auch schon in Strömen.
Es war jetzt 18:30 Uhr.
Die zweite Windschutzhütte war auch nach deren Aussagen nicht zu finden. Morgen hatte sie ihren letzten Wandertag in Richtung Kungälv.
Eine sehr nette, christliche Gruppe mit denen ich mich auch noch mal über den mir bevorstehenden Weg und die Schutzhütten austauschen konnte.
Des Weiteren fiel für mich auch der ein oder andere Pfannkuchen ab. Vielen Dank noch mal!
Und wie es sich für so eine christliche Gruppe auch gehört, gabs dann untereinander intensive Gespräche über Gott und Gebete.
Mein erster Gedanke war: Hoffentlich nicht irgendeine seltsame Sekte, die dich bekehren will! Schließlich bin ich hier nicht auf einem Pilgerweg, auf dem man erwartet solche Menschen zu treffen. Also lieber vorsichtig.

Ich


So nett die Gruppe auch war, einen megagroßen Nachteil hatte es dann doch.
Ich habe selber einen sehr leichten Schlaf wenn laute Geräusche an mein Ohr dringen, bin ich wach.
Ich wurde schon vorgewarnt, es gäbe einen lauten Schnarcher. Aber dass es so dermaßen laut werden würde, hatte ich nicht gedacht. Die anderen schienen zu schlafen und der Schnarcher blieb extra noch ein wenig länger wach, damit man zumindest die Chance hatte einzuschlafen.
Das gelang mir nicht. Fast die ganze Nacht lauschte ich dann dem unglaublich lauten Schnarchen und konnte keinen tiefen Schlaf finden. So ein Ärger. Dass er davon nicht selbst aufgewacht ist, hat mich total gewundert.

Zusätzlich war mir dann auch noch irre warm in meinem Schlafsack. Es hätten draußen ruhig 10 Grad kälter sein können. Und mein Körper auch ruhig weniger Wärme produzieren können. Dann kam wohl noch die Enge in dem Windschutz dazu und die Sauna war perfekt. Hab den Schlafsack dann nur noch als Decke benutzt. Aber besser warm als frieren. Für alle die es interessiert: es ist ein Mountain Equipment Glacier 500. Und allen Kritikern zum Trotz, ich bin bis jetzt total zufrieden mit dieser Penntüte. Superleicht, kleines Packmaß und gute Wärmeleistung dank Daune. Wasserabweisend außerdem. Würde gerne mal testen, bis wie viel Grad der wirklich gut warm hält. Vielleicht sollte ich eine späte Herbsttour machen?

Nach oben

 

Nächster Tag >>

zurück

vor