Tag 1

15.08.06 Hamburg – Landvetter – Göteborg – Kungälv

Die Reise begann am Flughafen in Hamburg.

Meinen 85 Liter Rucksack von Lowe Alpine hatte ich wohlüberlegt zu einem fest verpackten Paket verwandelt. Im Hinterkopf immer die Geschichten über die Rucksäcke, die mit ihren langen Bändern und Zurrgurten auf den Förderbändern des Flughafens stecken geblieben waren. Meine Lösung sah folgendermaßen aus: Den Rucksack gepackt, Topfach abgenommen fürs Handgepäck, die Beckengurte um den Rucksack gebogen und dann verschlossen. Die Isomatte um den Rucksack gewickelt und mit Paketband fixiert.
Und zur Krönung des hässlichsten Gepäckstücks auf dem ganzen Flughafen habe ich dann noch einen großen Aldi-Müllsack von unten, dann einen von oben (zwischendurch die beiden Säcke mit Paketklebeband verbunden) und noch mal einen von unten darüber gestülpt und festgeklebt.
Sah schon recht bescheuert aus.
Egal, es ging ja um den Zweck. Und als perfektionistisch veranlagter Mensch wollte ich es dann noch richtig Zweckmäßig machen. Es hätte ja sein können, dass die Tüten reißen falls jemand zu kräftig zupackt. Außerdem störten ja noch die Zipfel der Mülltüten. Die schauten ja an den Seiten heraus. Wieder das Paketklebeband hervorgeholt und dem Verpackungskünstler Christo Konkurrenz machen.
Sieben senkrechte Streifen und vier waagerechte sowie extra Verstärkungen oben und unten. Zusätzlich noch einen Schlitz für den Tragegriff des Rucksacks gemacht, Griff herausgeholt und das Loch umklebt.
An alles Gedacht? Halt, was mache ich denn, wenn angekommen bin und den Rucksack wieder auspacken will? Mein Taschenmesser ist dann ja IM Rucksack! Also noch oben eine kreuzförmige Öffnung hinein geschnitten und dann mit leicht abziehbaren Streifen Klebeband versehen. Perfekt!

Ja, ja, ich höre schon: „Wann kommt der jetzt der Reisebericht vom Bohusleden? Mich interessiert doch dein oller Rucksack in der Mülltüte gar nicht!“. Geduld, kommt doch noch. Aber ich war so begeistert von dieser Verpackungsaktion, dass ich sie unbedingt schildern musste. Jetzt fällt mir gerade ein, dass ich davon noch ein Bild hätte machen sollen.

Am Flughafen angekommen hatte ich natürlich schon die ersten Blicke sicher. Vor allem den geschäftstüchtigen Business-Damen mit den hochhackigen Schuhen und dem zu roten Lippenstift schien ich eine Begegnung der dritten Art zu sein. Aber mir ging es ja, im Gegensatz zu den anderen, nicht um Schönheit, sondern um Sinn und Zweck. Dann also in der Schlange für den Check-In der Economy-Klasse angestellt.
Und die war irgendwie sehr lang. Zum Glück hatte ich genug Zeit eingeplant.

Nebenbei konnte ich andere Reisende mit Rucksäcken ohne solch professionelle Verpackung sehen. Die hatte wohl keine Vorstellung davon, was alles passieren könnte!

Stück für Stück näherte ich mich dann der Gepäckdurchleuchtung. Da bin ich ja mal gespannt, ob jemand in meinem Wasserfilter eine Handgranate oder so was sehen will. Mein Ruck-Müll-Sack wurde wirklich länger als die anderen Koffer begutachtet! Der Beamte schaute immer wieder genau hin und versuchte wohl zu erkennen, um was es sich im Einzelnen handelt. Ein Glück hatte ich die Gaskartuschen zu Hause gelassen, sonst hätte ich unter Garantie noch alles wieder aus und wieder einpacken dürfen. So richtig als gefährlich konnte wohl nichts identifiziert werden und mein Gepäck bekam die Sicherheitsplakette.

Die erste Hürde war also genommen, fehlte noch der Check-In mit der Gewichtsüberprüfung. Spannende Sache, denn meine Waage zu Hause bestätigte mir knapp 20kg. Die war natürlich, wie alle anderen Haushaltswaagen, nicht geeicht. Zu meiner großen Erleichterung waren es dann tatsächlich 19,1kg insgesamt. Also kein Problem wegen Übergewicht.

Bis zum Boarding war noch gut Zeit und ich vertrieb mir noch die Zeit mit einem sündhaft-teurem frisch gepressten Orangensaft von glücklichen Orangen.
Egal, es war ja Urlaub und Vitamine sind ja auch unverzichtbar auf einer solchen Trecking-Expedition auf dem Bohusleden. Wer weiß, wann ich so was wiederbekomme.
Der nächste Spaß war dann bei der Personenkontrolle. Alle Sachen in den Korb zum Durchleuchten gelegt und dann durch die Schranke. Na klar piepste es. Also noch mal ran mit dem Hand-Metalldetektor, Arme strecken und abtasten.
Alles OK. ABER die Schuhe! Ausziehen bitte und diese gesondert durch die Durchleuchtung! Und das Cappie noch mal abnehmen und genau zeigen! Wirklich lustig. Wie zu erwarten war, alles in Ordnung. Schuhe wieder anziehen und noch warten bis das Flugzeug nach Göteborg bereit ist.

Der Flug war nicht mal ausgebucht. Ich schätze, knapp über die Hälfte belegt. Schweden ist halt auch nicht Teneriffa oder Mallorca.

Start um 10:15 Uhr. Während des Fluges gabs, wie üblich, etwas zu trinken und ein Käsebrot. Das Wetter war teilweise bewölkt und ich konnte über Schweden einen schönen Vorgeschmack für die Landschaft bekommen. Große Wälder, viele Seen und wenig Häuser. Herrlich.

Ankunft auf dem Landvetter Flughafen bei Göteborg pünktlich um 11:25.
Rein in das Terminal, den Leuten hinterher und die Gepäckausgabe suchen. Es dauert doch eine ganze Weile mit der Ausgabe. Mein Ruck-Müll-Sack kam ohne Probleme auf dem Förderband an. Dann raus und erstmal auspacken. Draußen vor der Tür enthüllte ich dann mein Kunstwerk unter den Augen von wartenden Taxifahrern. Die Verpackung hatte den Test übrigens sehr gut überstanden. Nicht eine Beschädigung war zu erkennen!

Isomatte richtig befestigt und weiter dann den Bus nach Göteborg City suchen. War auch nicht schwer, der stand 30 Meter weiter und wollte grad losfahren. Schnell hinein und nach dem Preis fragen. Wow, 70 Kronen wollten die doch haben. Die Linie Flygbussarna hat offensichtlich eine Monopolstellung. Was solls, bezahlt und 30 Min. bis zum Nils Ericson Terminal (Hauptbahnhof) gefahren.

Mein nächstes Ziel: Brennstoff in Form von Stechkartuschen finden. Im Bus gabs gratis einen Stadtplan und die die Adresse vom Outdoorladen hatte ich auch. 5 Minuten zu Fuß, zweimal um die Ecke und schon stand ich im „Naturkompaniet“ in der Östra Hamngatan 25. Kartuschen standen auch schon gleich neben dem Eingang auf einem Tisch. 19 Kronen das Stück. Da ich auf Nummer sicher gehen wollte, kaufte ich mir gleich zwei. Kurz durch den Laden und mal schauen, bezahlen und meine Trinkwasserflaschen haben die auch ohne Probleme aufgefüllt. Somit war ich voll ausgerüstet. Mein nächstes Ziel war McDonalds um für heute schon mal meine warme Mahlzeit zu haben.

Zurück zum Hauptbahnhof und den Bus nach Kungälv finden. Ich bin erstmal in diese Art „Busreisbüro“ von Västtrafik rein. Nummer gezogen. Nach kurzer Zeit dran gekommen und die Frau am Schalter ausgequetscht. Sie hat mir eine 100er Maxirabatt verkauft und mir gesagt, der Bus würde gleich ab Tor 21 fahren. Jo, alles klar. Beim weggehen hab ich dann mit meinem überbreiten Rucksack erstmal das Körbchen mit den aufgerufenen Nummern heruntergerissen. Super. Ich fing dann zusammen mit einer anderen Schwedin an, die vielen Zettel wieder einzusammeln, während die Frau hinterm Schalter nur meinte: „Gehen Sie ruhig, ich räume das schon weg, ihr Bus fährt doch gleich!“. Ich ließ es mir dann doch nicht nehmen, zumindest grob aufzuräumen und ging dann erst zum Bus. Den habe ich auch ohne Probleme erreicht. Fahrkarte in den Automat und auf die Taste 5 gedrückt, so wie mir erklärt wurde.

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